Sei Pippi nicht Annika

Pippi Langstrumpf, wer kennt und liebt sie nicht? Rote Haare, zwei Zöpfe, jede Menge Sommersprossen, Ringelsocken, die Villa Kunterbunt und natürlich Herr Nilsson und der kleine Onkel.

„Sei Pippi und nicht Annika“

Ein Spruch, der mich in letzter Zeit oft begleitet und mir immer wieder neue Fragen aufgibt.

Pippi Langstrumpf, eines meiner liebsten Kinderbücher und wahrscheinlich gehöre ich noch zu der Generation, die die Geschichte von Pippi primär gelesen hat. Gerne habe ich natürlich auch die Verfilmung geschaut, aber nichts war so gut wie meine eigene Phantasie und Pippis Abenteuer.

 

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Frech sein ist toll. Toll sein ist individuell. Berliner Schnauze und Dialekt boomen.

Ich bin dagegen anders. In meiner Erziehung hieß es früher: sei höflich und bescheiden. Auch Hochdeutsch war die Regel und nicht irgendein Dialekt.

Niemand mag vorlaute Kinder. Und nun heißt es plötzlich wer frech ist, hat mehr Erfolg?

Ich bin schüchtern, beobachte und komme eigentlich nur aus mir heraus, wenn ich mich wohl fühle. Ich stehe ungern im Mittelpunkt, denn es dreht sich ja nicht alles um mich.

„Meine“ Annika aus der Schulzeit war hingegen anders. Immer fröhlich, für jeden Spaß zu haben, unglaublich verrückt und frech. Als erste an der Tafel, immer im Mittelpunkt und irgendwie schaffte sie es immer, dass sich alles um sie drehte.

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Blogger sein, heißt aber heißt doch all das, oder?

Vor der Kamera stehen, immer toll aussehen, frech sein, immer gut drauf sein und super gesund essen und am besten jeden Tag einen Marathon laufen. Und ja es gibt sie, aber wenn ich ehrlich bin, beneide ich sie nicht und bin ein wenig froh nicht so „erfolgreich“ zu sein.

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Ich war schon immer zu ernst, hatte zwar auch meine Party-Hard-Fun-Phase, aber generell war ich schon immer nachdenklich und auf mein Handeln bedacht.

Zu nachdenklich sogar, aber deswegen bin ich doch nicht weniger sympathisch, oder?

Bloggen heißt, sich selbst zu einem gewissen Stück zu verkaufen.

Die Texte, die Bilder, aber auch ein gewisses Bild von einem selbst. Ich bin ich selbst und ich hoffe, deswegen seid ihr hier.

Viele versuchen sich allerdings durch ihr frech sein von der Masse abzuheben und merken dabei gar nicht wie Mainstream sie sind.

Nicht nur bei Bloggern, auch im Alltag begegnet es mir häufig. Kommilitoninnen die einfach im Seminar rein plappern, sich toll fühlen, weil sie dem Dozenten ins Wort fallen und dabei noch sowas von sich geben, wie falsche Antworten gibt es ja gar nicht.

Tatsächlich strahlte Pippi Lamgstrumpf für mich immer etwas anderes aus.

Sei frei, frech und wunderbar.

Ein Grundsatz, den ich mir in den letzten 30 Jahren zu Herzen genommen habe. Vom kleinen schüchternen Ding, zur freien und selbstbewussten Frau, die einfach weiß was sie will und vor allem was sich gehört.

Tatsächlich muss ich zugegeben, dass mein Prozess lange gedauert hat und noch lange nicht am Ende ist. Wäre ich vielleicht nicht als Kind zweier Einwanderer aus Polen auf gewachsen, wer weiß, ob ich jetzt nicht auch so eine Klappe hätte?

Mir wurden einfach andere Werte und Verhaltensweisen auf den Weg gegeben, als meinen meisten Freunden, deren Eltern hier aufgewachsen sind. Und eben das stimmt mich manchmal nachdenklich, vor allem, wenn ich an unseren zukünftigen Nachwuchs denke.

Dabei war Annika immer sehr hoch auf der Top-Namensliste für Kinder und auch mein Wunsch unsere Kinder selbstbewusster zu erziehen, als ich es als Kind war, damit sie vielleicht einen einfacheren Weg ins Leben haben.

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2 Comments

  • Rike

    April 30, 2016 at 2:16 pm

    Hallo Johanna!
    Ein ganz toller Beiträg! Ich mache mir oft ganz ähnliche Gedanken und könnte deinen Beitrag genau wie er ist, direkt unterschreiben… Viele Grüße,
    Rike

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