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Miss Sunny Görl oder weshalb Social Media uns krank machen kann

Ich sitze am Schreibtisch und sollte lernen. Genervt schaue ich auf mein Handy. Auch wenn ich mittlerweile alle Messenger und andere Benachrichtigungen abgeschaltet habe, mache ich eine kurze Lernpause und schaue bei Instagram vorbei. Oh ne, das ist sie wieder Miss Sunny Görl. Ich verdrehe die Augen und kann es doch nicht lassen, auf ihr Bild zu schauen und mir ihren Text durch zu lesen. : Hallo meine Kiwibärpopöchen. Ich bin heute wieder unterwegs…gut gelaunt…Kussi Bussi… „. Ich rolle mit den Augen. Und diese Tante hat wirklich mehr Follower als Ich?

Ein paar Kaffee später, mache ich meinen Laptop an um ein paar Arbeitsblätter von der Uniplattform runterzuladen. Facebook floppt auf und ich lese Miss.Sunny Görl : Huhuchen von der Fashion Week, ist es nicht unvorstellbar das ich hier sein darf? Hugs and kisses tüdeldüüü ihr Sahnehäubchen“.

Oh man, wie kann man bloß immer so gute Laune haben. Ich fühle mich wie Grumpy Cat. In meiner ausgelatschten Lieblingsjeans, Kuschelpulli und Schmuse-Halstuch, sitze ich an meinem Laptop und spüre ein mir gutbekanntes Gefühl. Eine unglaubliche Genervtheit.

Einige Tage später flattert eine Email in mein Postfach: Einladung zum XY-Beauty-Event. Na toll, schon wieder. Ich weiß ich blogge und für viele heißt das für mich gibt es nur Themen wie Mode, Beauty und wie hüpfe ich in meinem neuen tollen gesponserten Outfit rum. Aber nein ich verkaufe hier nicht mich, sondern hoffe irgendwann eine erstgenommene Autorin zu werden.

Einen Kaffee später. Ich will auf meiner Facebookseite einen Beitrag vorbereiten, ach da ist sie ja mal wieder Miss Sunny Görl. Heute traut sie sich mal an Smoothies ran und war auch schon beim Workout und Joggen. Ich fühle mich schlecht und denke darüber nach wann ich das letzte Mal Joggen war. Was bewegt die Menschen nur dieser Person zu folgen?

Nachts liege ich neben meinem Mann im Bett und denke nach, über Miss Sunny Görl. Weiß diese Person eigentlich wie selbstverliebt und nervig sie ist? Vielleicht hat sie ja auch irgendwelche Fehler? Sie hat bestimmt ganz fiesen Mundgeruch. Ich beschliesse das in meinen Gedanken einfach und träume von schöneren Dingen.

Am nächsten Morgen will ich mich wieder ans Lernen setzen. Aber irgendwie sind da noch tausend Gedanken in meinem Kopf, die zu Papier gebracht werden müssen.

Das Social Media krank machen kann, habe ich erst letztens bei www.basicthinking.de gelesen. Und tatsächlich habe ich das Gefühl das meine Freunde, die sich nicht Tag täglich  mit Social Media beschäftigen irgendwie glücklicher sind. Nur doof, wenn man in dem Bereich arbeitet oder arbeiten will.

Probleme wie Neid, Störung zwischenmenschlicher Kommunikation, weil Menschen nur noch auf ihr Handy starren (ich sag nur Smombie) und sich tausend Gedanken darüber machen,was die anderen denken könnten.

Je mehr ich mich mit dem Thema Social Media auseinandersetze, desto mehr merke ich wie ich den Ausgleich in der realen Welt brauche.

Was ich dabei gelernt habe? Haters gonna hate, die anderen denken immer darüber nach und es liegt in der Natur des Menschen seine Schokoladenseite zu zeigen.

Vorbote sind solche Reaktionen wie Anfangs beschrieben für ein neues Problem unserer Generation: Social Media Burnout.

Was wir dagegen tun können? Eigenverantwortung ist angesagt.

Ich mache mir eine Liste, wo will ich hin und was habe ich schon erreicht? Wie sollen mich die Leute sehen? Gutgelaunt und übermotiviert? Oder manchmal auch die genervte kleine miesgelaunte Morchel die ich bin? Und wieso sollte es jemanden interessieren, wenn es doch um meine Texte gehen soll?  Personen wie Miss Sunny Görl gibt es leider zu Hauf und manchmal habe ich das Gefühl, dass sie sich teilweise klonen oder einfach nur nachmachen.

Ich persönlich lasse mich einfach nicht mehr davon runterziehen und zitiere innerlich Oscar Wilde: Be yourself, everyone else is already taken.

DSC_2108

 

 

p.s. Miss Sunny Görl ist eine rein fiktive Person und ist ein Zusammenschnitt persönlicher Erfahrungen.

 

3 Comments

  • Tashi

    Februar 24, 2016 at 11:47 am

    Ach dazu kenne ich auch ganz viele lustige, OK eher nervige, Geschichten.
    Wochenende liegt mein Handy zu 95% unbeachtet in einer Ecke, denn Wochenende bin ich voll und ganz Mama. Wenn ich dann mal eben auf mein Handy schaue,sind dort gefühlt 1000 Nachrichten, die meisten von den selben Personen nach dem Motto: „guten morgen“ „was machst du?“ „bist du da?“ „jetzt schreib doch mal“ „hallo“ usw. Die ganze Fragezeichen zwischen durch lasse ich mal außen vor. Ich verstehe das nicht. Das Leben findet draußen statt außerhalb vom Internet. Schade wie sich die Gesellschaft in dieser Hinsicht verändert hat.

    Liebe Grüße
    Tashi

    Antworten
  • Vera

    Februar 24, 2016 at 3:37 pm

    Ein toller Text, betont ein sehr wichtiges Thema. Warum fällt es so vielen Menschen schwer, sie selbst zu sein? Das bedingt sich alles gegenseitig, Menschen wollen sein wie andere Menschen, weil diese Menschen wiederum nicht sie selbst sind – ein Teufelskreis. Also, lasst uns ausbrechen, auch mal schlecht gelaunt sein, auch mal eine Woche lang nichts posten und auch mal in den ältesten, hässlichsten Klamotten, die wir haben, vor die Tür gehen. In unserem Fall die allmorgendliche Hunderunde. 😉
    Ich mag es, dass du so authentisch bist!

    Liebe Grüße,
    Vera (zorrrnroeschen)

    Antworten
  • Evy

    Mai 26, 2016 at 3:04 pm

    Ich hab neulich einen tollen TExt dazu gehört, aber ich weiß nicht, ob er je im Internet landen wird… Ich habe solche Posts akzeptiert, weil ich genügend Videos und Texte über SM-Burnout gesehen/gelesen habe. WEnn jemand ein Grinse-Selfie aus Paris postet, weiß ich, dass dieser Mensch nur lacht, weil es die Follower wollen, dass er abends erschöpft im Bett liegt und noch ein Video schneiden muss. Der Mensch mag ein vermeintlich besseres Leben haben, aber er opfert dafür viel Daher bin ich froh, dass ich (noch?) nich an der Grenze stehe und überlegen muss, ob mein schöner Spaß zum finanziellen Ernst geworden ist.

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